Dr. Alexander Ulfig
Qualifikation statt Gleichstellung
Schritte zu einer gerechteren Praxis der Stellenvergabe
Inhalt:
1. Feminismus und Ideologie
2. Die Gleichstellungspolitik als der institutionalisierte Feminismus
3. Die Einmischung der Gleichstellungspolitik in das akademische Leben
4. Die Gehirnwäsche der Gleichstellungspolitik oder der Abgesang auf die Qualifikation
5. Für eine Politik der Qualifikation
6. Die Angst und das Schweigen der Wissenschaftler
1. Feminismus und Ideologie
Moderne Ideologien haben aus dem Scheitern älterer Ideologien, wie z.B. des Kommunismus und
des Nationalismus, gelernt. Ihre Strategien und Vorgehensweisen sind sehr subtil und raffiniert
geworden. Sie haben Mechanismen entwickelt, die es ihnen ermöglichen, ohne physische Repression
ihre Ziele konsequent und ohne Widerrede durchzusetzen. Trotzdem haben moderne Ideologien wie
der Feminismus mit älteren Ideologien noch vieles gemeinsam.
Zunächst ist hier die Dichotomisierung der Gesellschaft zu nennen. Im Nationalismus herrscht
die Dichotomie zwischen den Angehörigen der eigenen Nation und den Angehörigen anderer Nationen
(z.B. zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen), im Kommunismus die zwischen Proletariern und
Bourgeois, im Rassismus die zwischen Weißen und Schwarzen. Im Feminismus ist die grundlegende
Dichotomie die zwischen Frauen und Männern. Das Geschlecht avanciert somit zur wichtigsten
sozialen Kategorie.
In jeder Ideologie wird des Weiteren eine gesellschaftliche Gruppe gegenüber der anderen als
überlegen betrachtet: im deutschen Nationalismus die Deutschen gegenüber Nicht-Deutschen,
im Kommunismus die Proletarier gegenüber Bourgeois, im Rassismus Weiße gegenüber Schwarzen, im
Feminismus Frauen gegenüber Männern. Frauen werden als weniger aggressiv und gewalttätig,
einfühlsamer, fürsorglicher, ferner flexibler und kommunikativer als Männer dargestellt. Sie
sind Männern moralisch überlegen. Die alte Dichotomie von Gut (Frau) und Böse
(Mann) kommt hier deutlich zum Ausdruck. Eine von Frauen bestimmte Welt wäre friedlicher und
humaner. Gestützt werden solche Idealisierungen durch pseudowissenschaftliche Rhetorik.
Eine Folge dieses Überlegenheitswahns ist die Zentrierung der öffentlichen Aufmerksamkeit
auf die überlegene Gruppe. Frauen, ihren Bedürfnissen, Wünschen, Interessen, Zielen usw., wird in
allen Bereichen der Gesellschaft und des Lebens besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Oft hat man
den Eindruck, als ob die Gesellschaft nur aus Frauen bestünde. Eine zentrale Rolle spielen dabei
die Mainstream-Medien. Sie sind zu einem Instrument der feministischen Ideologie und
der mit ihr einhergehenden Politik geworden. Immer mehr Sendungen funktionieren nach dem Muster
“von Frauen - über Frauen - für Frauen”. Dabei werden Frauen als Frauen von allem
Schlechten, Negativen und Bösen freigesprochen.
Der Feminismus ist mit seinen Themen und Forderungen in alle Bereiche des Lebens, in Politik,
Recht, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Sprache, Kunst usw., eingedrungen. Dies macht seinen
totalitären Charakter aus. Man kann nicht über Philosophie, Wissenschaft, Kunst usw.
sprechen, ohne dass dabei gefordert wird, auf die Anzahl oder die Rolle von Frauen zu achten.
Mit anderen Worten: Es ist nicht mehr möglich, über Philosophie als solche, Wissenschaft als
solche und Kunst als solche zu sprechen. So ging es in der Ausstellung Impressionistinnen, die von
22. Februar bis 1. Juni. 2008 in Frankfurt am Main stattfand, nicht um die Merkmale und
Qualitäten der dort ausgestellten Kunstwerke, sondern alleine darum, dass sie von Frauen
erschaffen wurden.
Der Anspruch des Feminismus zielt auf die Gestaltung des ganzen Lebens, d.h. nicht nur des
öffentlichen, sondern auch des privaten. Der Feminismus hat einen starken Einfluss auf
private Beziehungen zwischen Männern und Frauen und sogar auf die frühesten Interaktionen zwischen
Jungen und Mädchen. Er mischt sich in die intimsten sexuellen und emotionalen Angelegenheiten von
Männern und Frauen ein (sexual politics). Somit verändert er grundlegend ihr
Selbstverständnis, ihre Identität.
Mit den meisten Ideologien ist ein Heilversprechen verbunden. Der Feminismus verspricht
seinen Anhängerinnen die Befreiung von traditionellen Geschlechterrollen, von dem Unterdrücker
Mann bzw. von dem Unterdrückungsmechanismus des Patriarchats, eigentlich die Befreiung
von allem, was Frauen behindert. Zu dem Heilversprechen gehört die Schaffung von unbegrenzten
Entfaltungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten für Frauen sowie einer besseren femininen
Welt (“die Zukunft gehört den Frauen”, “Planet der Frauen”). Menschen haben sich immer schon
von Heilversprechen magisch angezogen gefühlt. Sie projizieren in sie ihre intimsten Wünsche
und Hoffnungen.
Charakteristisch für den Diskurs der Ideologien und somit auch für den Diskurs des Feminismus
sind unzulässige Verallgemeinerungen, die jeglicher empirischer Evidenz widersprechen.
Feministische Ideologinnen sprechen von den Männern oder dem Mann als
Gattungsbegriff. Sie sagen z.B. nicht: “Einige Männer sind gewalttätig”, was der Wahrheit
entspräche, denn diese Aussage hätte nicht die erhoffte ideologische Wirkung. Man könnte mit
ihr keine Politik machen. Statt dessen sagen sie: “Männer sind gewalttätig”, was impliziert,
dass alle Männer im Prinzip, oder in ihrem Wesen oder von Natur aus gewalttätig sind.
Um politische Ziele zu erreichen, werden Frauen und Männer zu bestimmten Rollen stilisiert.
Frauen sind Opfer, Männer sind Täter. Auch hier wird eine unzulässige Generalisierung
vorgenommen: Alle Frauen sind als Frauen Opfer, Männer als Männer Täter. Dass es auch
männliche Opfer gibt, dass eigentlich alle Menschen Produkte und somit auch Opfer der
Sozialisation und der gesellschaftlichen Entwicklung sind, bleibt mit Absicht unerwähnt.
Nur Frauen sind Opfer der Gesellschaft, nur sie sollen dafür Kompensationen erhalten. Anders
formuliert: Die Stilisierung von Frauen als ewige Opfer hat die Funktion, politische Forderungen
zu stellen. Die Opfer müssen eine Wiedergutmachung erfahren, und zwar u. a. durch die Vergabe
von relevanten, interessanten und gut bezahlten Stellen. Mit dieser Strategie wird seit vier
Jahrzehnten Politik gemacht, und zwar die erfolgreichste Politik der neueren Geschichte. Auch
die oben erwähnten Bemühungen, Frauen als überlegen zu zeigen, und die permanente mediale
Diskreditierung von Männern dienen dieser Strategie.
Ideologien sind mehr als rein intellektuelle Systeme. Sie trachten danach, ihre Ideen in die
politische Praxis umzusetzen. Ihr Ziel ist es, politische Macht, genauer: Kontrolle über
politische Ressourcen, z.B. staatliche Institutionen und politische Entscheidungen, zu
erlangen. Ideologien streben danach, Institutionen zu etablieren, die ihren Machtbereich
erweitern und sichern.
2. Die Gleichstellungspolitik als der institutionalisierte Feminismus
Der Feminismus ist eine Ideologie und eine mit ihr einhergehende politische Praxis. Sein Ziel
ist es, politische Macht zu erlangen. Die vom Feminismus forcierte Politik/Frauenpolitik ist in
Deutschland unter dem Namen Gleichstellungspolitik, in der neuesten Zeit auch als das
Programm des Gender-Mainstreaming bekannt.
Das erklärte Anliegen der Gleichstellungspolitik ist es, Ungleichheiten im Verhältnis der
Geschlechter aufzuspüren und aufzuheben. Dabei ist jedoch nicht Ungleichheit im Sinne einer
Differenz im Denken, Fühlen und Handeln gemeint. Ungleichheit bedeutet hauptsächlich
statistische Ungleichheit, also den Umstand, dass es in bestimmten Bereichen weniger
Frauen als Männer gibt, dass Frauen in diesen Bereichen unterrepräsentiert sind.
Diese Unterrepräsentanz muss beseitigt werden.
Das Ziel der Gleichstellungspolitik ist nicht Chancengleichheit, d.h. die Gleichheit von
Startchancen des Einzelnen im Wettbewerb mit anderen, vielmehr soll bei der Stellenbesetzung
das Geschlechterverhältnis 50:50 hergestellt werden, allerdings nur in wichtigen,
prestigeträchtigen und gut bezahlten Berufszweigen, wie z.B. bei akademischen Stellen oder
Topstellen in der Wirtschaft, natürlich nicht bei der Müllabfuhr, im Bergbau oder in der
Stahlindustrie.
Dieses eigentliche Ziel der Gleichstellungspolitik wird in vielen Gleichstellungsgesetzen der
Länder genannt: Frauen, die die gleiche Qualifikation wie ihre männlichen Mitbewerber haben,
sollen bei der Stellenvergabe solange bevorzugt werden, bis ein Frauenanteil von 50%
erreicht wird (auf die Unmöglichkeit von “gleicher Qualifikation” in der Wissenschaft
werde ich im 4. Abschnitt eingehen).1
Es sei schon hier angemerkt, dass die Gleichstellungspolitik die Aufhebung der
Qualifikation als des zentralen Faktors bei der Stellenvergabe zur Folge hat. Es
existieren Bereiche, in denen es mehr höher qualifizierte Männer als Frauen, und Bereiche,
in denen es mehr höher qualifizierte Frauen als Männer gibt. Versucht man in diesen Bereichen
das Geschlechterverhältnis 50:50 herzustellen, wird dadurch die Qualifikation als Maßstab außer
Kraft gesetzt. Nicht die Qualifikation, sondern das Geschlecht, besser: ein statistisches
Gleichheitswert, wird zum zentralen Faktor bei der Stellenvergabe. Die Opfer dieser
Gleichstellungslogik und -politik sind ausschließlich Männer. Mit anderen Worten: die
Gleichstellungspolitik führt zur strukturellen Benachteiligung von Männern.
Um die Gleichstellungspolitik durchzusetzen, wurde ein System von Gesetzen, Institutionen und
Maßnahmen etabliert: Gleichstellungsgesetze, Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragte,
Gleichstellungsstellen, Frauenförderprogramme und Frauenforschungsprofessuren. Eine ganze
Armee von Aktivistinnen und Funktionärinnen wacht über ein flächendeckendes Netzwerk von
Verwaltung und Kontrolle.
Frauenbeauftragte werden neuerdings zur Täuschung der Öffentlichkeit als Gleichstellungsbeauftragte
bezeichnet. Das soll den Anschein von Neutralität, Unparteilichkeit und Gerechtigkeit erwecken.
In Wirklichkeit sind Gleichstellungsbeauftragte fast ausschließlich weiblichen Geschlechts.
Gleichstellungsprogramme werden von Frauenabteilungen der entsprechenden Ministerien erstellt
und koordiniert. Die Zielgruppe der Förderprogramme, und zwar sowohl hinsichtlich der ideellen
als auch der finanzielle Förderung, ist immer weiblich. Kurz: Gleichstellung bedeutet die
Bevorzugung von Frauen gegenüber Männern.
Die Medien der Bundesrepublik dienen der Gleichstellungspolitik. Täglich lesen und hören wir,
dass Frauen unterrepräsentiert sind und dass daher der Anteil von Frauen erhöht werden soll.
Täglich werden wir mit Statistiken bombardiert und mit Zahlenspielen gequält, die das beweisen
sollen. Alle Medien (Zeitungen, Fernseh- und Rundfunkanstalten als auch das Internet) beteiligen
sich an er Indoktrination der Gleichstellungspolitik. An vorderster Front fungiert hier das
Internet-Portal Spiegel-online, in dem fast täglich über die angebliche Benachteiligung
von Frauen, ihre Gründe und Möglichkeiten ihrer Beseitigung berichtet wird.
Interessanterweise sind es nicht nur die als links bezeichneten Zeitungen und Rundfunkanstalten,
wie die Frankfurter Rundschau, die TAZ, der Hessische Rundfunk oder der
Deutschlandfunk, die die Gleichstellungspolitik forcieren. Oft hat man den Eindruck, dass
die als konservativ geltenden Zeitungen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung,
im Einsatz für die Frauenförderung sowie Gleichstellung und - nebenbei bemerkt -
auch für die Einhaltung der political correctness die linken Organe sogar übertreffen.
Ähnlich verhält es sich mit den politischen Parteien. Zwar haben alle im Bundestag vertretenen
Parteien die Frauenförderung und Gleichstellung auf ihre Fahnen geschrieben. Paradoxerweise ist
es jedoch eine konservative Partei, die CDU, die die Gleichstellungspolitik am
stärksten vorantreibt. Keine rot-grüne Regierung hätte es sich getraut, die
Gleichstellungsprogramme so radikal und konsequent in die Praxis umzusetzen, wie es die
Bundesministerinnen Annette Schavan und Ursula von der Leyen getan haben und immer noch tun.
Dies gilt vor allem für das von der ersteren durchgeführte Programm der Schaffung von 200
Professuren nur für Frauen.
Jegliche Kritik an der Gleichstellungspolitik wird in Politik, Medien und an den Universitäten
im Keim erstickt. Bekannt wurde der Fall eines Mainzer Soziologieprofessors, der in einem noch
im Internet kursierenden Aufsatz den Gender-Mainstreaming als “totalitäre Steigerung der
Frauenpolitik” bezeichnet hatte. Er wurde daraufhin von der Universitätsleitung angewiesen,
den Aufsatz von seiner Internet-Seite zu entfernen. Der Wissenschaftler schweigt bis heute
zu diesem Thema, und zwar aus Angst um seine Arbeit und seine Nachtruhe.2 Gegner der
Gleichstellungspolitik fürchten öffentliche Brandmarkung, negative dienstliche Beurteilung,
Benachteiligungen bei Bewerbungen und Kürzungen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und
Fördermittel - ein klarer Indikator für den repressiven Charakter dieser Politik.
3. Die Einmischung der Gleichstellungspolitik in das akademische Leben
Die feministische Ideologisierung und Indoktrination sind in der Bundesrepublik am weitesten an
den Universitäten fortgeschritten. Daher verwundert es nicht, dass dort die
Gleichstellungspolitik besonders stark forciert wird. Bund und Länder arbeiten dabei Hand in
Hand zusammen. Das Hochschulrahmengesetz des Bundes (HRG) beinhaltet auf Gleichstellung
ausgerichtete Vorgaben: die Einsetzung von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, angemessene
Vertretung von Frauen in Gremien und die Erhöhung des Frauenanteils in der Wissenschaft.
Frauenförderpläne sind in den Gleichstellungsgesetzen der Bundesländer geregelt. Sie
stellen Maßnahmen zum Abbau der Unterrepräsentanz von Frauen, also zur Erreichung der
Gleichstellung dar.
An fast jeder Universität gibt es Förderprogramme, die ausschließlich Frauen vorbehalten sind:
Mentoring für Studentinnen und Wissenschaftlerinnen, Netzwerke, Stipendien für Doktorandinnen
und Habilitandinnen. Zum Beispiel soll das von der Ministerin Schavan initiierte
Professorinnenprogramm mit Hilfe von speziellen Förderungsmaßnahmen Frauen den Weg zu
einer Professur ebnen.
Von der Umsetzung der Gleichstellungsgesetze hängt die Bewilligung staatlicher Fördermittel ab.
Universitätsleitungen forcieren Frauenförderprogramme, weil sie dafür belohnt werden. Für die
Durchführung des oben erwähnten Professorinnenprogramms, das in Hessen unter dem Namen
Proprofessur durchgeführt wird, stellen Bund und Länder Fördermittel zur Verfügung.
Wenn Frauen auf Lehrstühle berufen werde, erhält die Universität Fördergelder von bis zu
150 000 Euro pro Professur. Von diesen Fördermitteln soll weitere “Gleichstellungsarbeit”,
also weitere institutionalisierte Bevorzugung von Frauen, finanziert werden. Auf diese Weise
lassen sich Universitäten und Wissenschaftler von der Politik kaufen.
Das wichtigste Instrument der Gleichstellungspolitik an den Universitäten ist die Arbeit von
Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragten. Sie haben einen großen Einfluss auf die Praxis der
Stellenvergabe. Frauenbeauftragte nehmen an fast allen Einstellungsverfahren teil. Dies
betrifft die Einstellung von wissenschaftlichen (Dozenten, Projektmitarbeitern und Professoren)
als auch nicht-wissenschaftlichen Mitarbeitern der Universität. Sie sind in Berufungskommissionen
vertreten. Dort haben sie weitreichende Befugnisse. Vorwiegend wachen sie darüber, ob
Gleichstellungsgesetze und -regelungen eingehalten werden. Unter anderem können sie ein
Berufungsverfahren zu Fall bringen, falls in ihm Abweichungen von Gleichstellungsgesetzen
und -regelungen vorkommen. Wenn z.B. an den Sitzungen einer Berufungskommission nicht wie
vorgegeben mindestens zwei Frauen teilnehmen, kann die Frauenbeauftragte bewirken, dass das
ganze Berufungsverfahren von Neuem durchgeführt wird. Frauenbeauftragte beeinflussen Diskussionen
über die Qualifikation von Bewerbern. Sie entscheiden dadurch über die Qualifikation von
Fachleuten, obwohl sie meistens nicht vom Fach sind - ein Skandal, der seines gleichen in der
Wissenschaftsgeschichte sucht.
Besondere Anstrengungen unternehmen die Funtionärinnen der Gleichstellungssystems bezüglich
der Vergabe von Professuren. Professoren gelten als Führungskräfte und genießen in der
Gesellschaft hohes Ansehen. Professuren sind in der Wissenschaft besonders begehrt. Je nach
Bundesland wird bei der Vergabe von Professuren mit unterschiedlichen gleichstellungsgesetzlichen
Regelungen und mit unterschiedlichen Tricks gearbeitet.
In einigen Bundesländern, wie z.B. in Berlin oder Hamburg, können Professuren nur für
Frauen ausgeschrieben werden. Dort findet also eine gezielte Berufung von Frauen statt.
Andere Regelungen besagen, dass auf eine Berufungsliste mindestens eine Frau zu setzen ist oder
Frauen bei gleicher Qualifikation bevorzugt auf die Berufungsliste zu setzen sind. Werden diese
Regeln nicht eingehalten, wird in einigen Gleichstellungsgesetzen mit Sanktionen gedroht.
Landesgleichstellungsgesetze der Länder und viele Hochschulen selbst streben ausdrücklich die
Erhöhung des Professorinnenanteils auf 50%.3
Eine oft auftretende und besonders fragwürdige Praxis der Stellenvergabe besteht darin, dass
in Fachbereichen vorab die Entscheidung getroffen wird, eine Frau zu berufen. Der Satz
“Wir wollen eine Frau haben” hat sich an den Universitäten fest etabliert. Dabei werden wichtige
Gesetze einfach umgangen. Es ist allzu deutlich, dass dabei die Qualifikation als Faktor
aufgehoben wird; eine Stelle soll nicht die Person erhalten, die für sie am besten qualifiziert
ist, sondern eine Repräsentantin des weiblichen Geschlechts.
Schon ein oberflächlicher Blick auf die Arbeit der Frauenbeauftragten zeigt, dass es diesen
Frauen nicht um die wissenschaftliche Leistung als solche, um bessere wissenschaftliche
Forschungsergebnisse oder allgemein um den Fortschritt in der Wissenschaft geht. Diese
Faktoren interessieren sie gar nicht. Einzig und alleine geht es ihnen um die Anliegen einer
gesellschaftlichen Gruppe. Alles wird auf Frauen abgestimmt, alles soll den Interessen und
Vorteilen von Frauen dienen, nicht den Interessen und Vorteilen der Wissenschaft.
Die Haltung und Arbeit der Frauenbeauftragten widersprechen den fundamentalsten Prinzipien
der Wissenschaft, wie Unvoreingenommenheit, Unparteilichkeit, weltanschauliche
Neutralität. Zu ihrem “Programm” gehören ausdrücklich Voreingenommenheit, Parteilichkeit
und die feministische Ideologie als Weltanschauung.
Frauenbeauftragte sind in erster Linie Politikerinnen und nicht Wissenschaftlerinnen. Sie
instrumentalisieren die Wissenschaft zu ideologisch-politischen, also wissenschaftsfremden,
Zwecken. Ihre Arbeit stellt eine eklatante Einmischung von Ideologie und Politik in das
akademische Leben dar. Sie verletzt die viel gepriesene Autonomie der Universität.
Letztlich ist es die Wissenschaft selbst, die unter dem Diktat der Gleichstellungspolitik am
stärksten leidet.
4. Die Gehirnwäsche der Gleichstellungspolitik oder der Abgesang auf die Qualifikation
Um die Gleichstellungspolitik an den Universitäten, insbesondere die Bevorzugung von Frauen bei
der Stellenvergabe, zu legitimieren, werden immer wieder dieselben “Argumente” verbreitet. Sie
bilden allesamt eine sehr wirkungsvolle Gehirnwäsche. Im Folgenden möchte ich die einzelnen
“Argumente” unter die Lupe nehmen.
a) “Frauen werden von Männern aus der Wissenschaft ausgeschlossen.”
Um Frauen an den Universitäten
einseitig zu fördern und zu bevorzugen, werden imaginäre Feinde erschaffen. Es sind
angeblich die Männer in der Wissenschaft, die Frauen die wissenschaftliche Arbeit
erschweren, ihnen die wissenschaftliche Karriere und den Zugang zu Führungspositionen verbauen.
Konkret werden hier keine Namen genannt, es bleibt alles bei vagen Behauptungen, eigentlich
unfairen Unterstellungen, die jeglicher Begründung entbehren.
Als wichtige imaginäre Feinde werden Männer-Netzwerke in der Wissenschaft genannt.
Die Frauenbeauftragte der Goethe-Universität Frankfurt am Main behauptet: “In meiner Arbeit
begegne ich immer wieder den ganz natürlich erscheinenden Netzwerken unter Männern. Sie fördern
sich viel selbstverständlicher gegenseitig bei der Vergabe von Stellen und Projektmitarbeitern.
Mit Mentoring wollen wir ein Gegengewicht dazu schaffen und Frauen durch die Kontakt- und
Austauschmöglichkeiten auf ihren Karrierewegen in Spitzenpositionen
unterstützen.”4 Tatsächlich lässt sich an der Goethe-Universität und an anderen
bundesdeutschen Universitäten kein einziges Männer-Netzwerk nachweisen. Dagegen werden
immer mehr Frauen-Netzwerke eingerichtet. An der genannten Universität sind es u.a. die
Frauenbeauftragte mit ihrem Netzwerk, das Programm Proprofessur, Mentoring für Frauen,
der Frauenrat der Universität und das Cornelia-Goethe-Institut.
Es gibt unter Wissenschaftlern Netzwerke. Sie beruhen jedoch nicht auf gleichem Geschlecht,
sondern auf fachlicher Qualifikation und in vielen Fällen leider auch auf nicht
fachwissenschaftlichen Faktoren wie z.B. Sympathie. Selbstverständlich gibt es in
solchen Netzwerken auch Frauen.
b) “Frauen werden bei der wissenschaftlichen Arbeit strukturell benachteiligt.”
Eine Wissenschaftlerin berichtet von ihren Publikationserfahrungen folgendermaßen: “Ich denke nach
wie vor, dass Publizieren für Männer einfacher ist, gerade auch so nach dem Motto, der muss jetzt
einen Zeitschriftenaufsatz kriegen. Der Mann ist dran mit einem Sammelband. Das passiert Frauen
relativ selten, dass sie dran sind mit einem Sammelband oder mit einem Zeitschriftenaufsatz,
oder nicht so häufig wie Männer. Das heißt, man muss als Frau einfach mehr arbeiten, um an den
Punkt zu kommen.” Daraus schließt eine Frauenbeauftragte unmittelbar: “Frauen sind bei
Publikationsmöglichkeiten strukturell benachteiligt.”5
Zunächst fällt auf, dass hier persönliche Eindrücke und Erfahrungen als
strukturelle Benachteiligung von Frauen ausgegeben werden. Das ist eine typische
Argumentationsfigur von Frauenpolitikerinnen und Frauenbeauftragten.
Frauen haben in der Wissenschaft genauso viele Publikationsmöglichkeiten wie Männer. Es steht
ihnen frei, ihre Aufsätze bei Fachzeitschriften einzureichen.
Wird die Publikation einer Frau von einer oder mehreren Zeitschriften abgelehnt, wird dann
auch sofort behauptet, dass Frauen “strukturell benachteiligt” sind. Dass auch Männer mit
denselben Problemen zu kämpfen haben, wird übersehen.
Den Redakteuren von Fachzeitschriften wird dabei unterstellt, dass sie Aufsätze von Männern
eher aufnehmen als die von Frauen. Warum sollten sie diese Absicht haben? Welche Vorteile
hätten sie davon? Warum soll man ihnen nicht zutrauen, dass ihnen hauptsächlich die Qualität
der Aufsätze am Herzen liegt?
Was die Publikationsmöglichkeiten angeht, verhält es sich eher umgekehrt: Männer, vor allem
Geistes- und Sozialwissenschaftler, werden gegenüber Frauen benachteiligt. Als wichtigste
Publikationen gelten bei Bewerbungen bzw. bei Stellenvergabe Doktorarbeiten und Habilitationen.
Von entscheidender Bedeutung ist hierbei das Publikationsorgan, der Verlag. Bewerber, die ihre
Doktorarbeiten und Habilitationen bei bekannten und renommierten Verlagen unterbringen, haben
viel größere Chancen, eine wissenschaftliche Stelle zu bekommen. Oft entscheidet das
Publikationsorgan über eine Berufung.
Die meisten Verlagslektoren sind inzwischen Frauen. Sie entscheiden heutzutage nicht nur über
Themen und Trends der Verlagshäuser, sondern auch - mehr als Männer - über
Publikationsmöglichkeiten von Wissenschaftlern. Im dem renommierten Campus-Verlag stammt
die überwältigende Mehrheit der dort veröffentlichten Doktorarbeiten und Habilitationen von
Frauen. Dies gilt insbesondere für den geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich.
c) “Frauen sind in der Wissenschaft unterrepräsentiert”.
Das ist das häufigste “Argument”.
Es hat die Kraft eines Totschlagarguments. Zunächst stellt diese Aussage ein Faktum dar. Es
gibt an den Hochschulen mehr wissenschaftliche Mitarbeiter als Mitarbeiterinnen, mehr Professoren
als Professorinnen. Doch was bedeutet diese Aussage? Es kann bedeuten, dass es in der
Wissenschaft, genauer: in einzelnen wissenschaftlichen Bereichen (Universitäten, Fachbereichen,
Instituten oder Fächern), mehr höher qualifizierte Männer als Frauen gibt. Oben wurde bereits
erwähnt: Es gibt wissenschaftliche Bereiche, in denen es faktisch mehr höher qualifizierte
Männer als Frauen, und Bereiche, in denen es faktisch mehr höher qualifizierte Frauen als
Männer gibt (dies gilt sowohl für bereits angestellte Wissenschaftler als auch für Bewerber).
Das Gechlechterverhältnis von 50:50 besteht in keinem wissenschaftlichen Bereich. Und ich
wiederhole: Indem dieses statistische Verhältnis angestrebt wird, wird die Qualifikation
als der entscheidende Faktor bei der Stellenvergabe außer Kraft gesetzt. Alle Bemühungen,
dieses Verhältnis herzustellen, führen zu Ungerechtigkeiten: Besser qualifizierte
Wissenschaftler erhalten aufgrund der Quote 50:50 nicht die Stelle, die sie eigentlich
erhalten sollten. Das dies auch vom Nachteil für die Wissenschaft ist, braucht eigentlich
nicht eigens erwähnt zu werden.
d) Aus der Feststellung, dass Frauen in der Wissenschaft unterrepräsentiert sind, folgt
dann die Forderung:“Der Anteil von Frauen soll erhöht werden”.
Normalerweise sollte eine wissenschaftliche Einrichtung, sei es eine Universität, ein Fachbereich
oder ein Institut, daran interessiert sein, den Anteil von Wissenschaftlern zu erhöhen, die
besser qualifiziert sind als Wissenschaftler anderer Einrichtungen. Mit anderen Worten: Eine
wissenschaftliche Einrichtung sollte daran interessiert sein, sich die besten Wissenschaftler zu
holen, und zwar ohne Ansehen des Geschlechts, der Nationalität, der Rasse, der Religion usw. Nur
auf diese Weise kann sie die besten Forschungsergebnisse erzielen.
Zweitens könnte man fragen, warum ausgerechnet der Anteil von Frauen erhöht werden soll, und
nicht der von Repräsentanten anderer gesellschaftlicher Gruppen, die ebenfalls an den
Universitäten “unterrepräsentiert” sind. Mehr als ein Drittel der Frankfurter Bürger sind
Ausländer. Warum gibt es dann so wenig ausländische Professoren an der Frankfurter Universität?
Am Fachbereich Philosophie derselben Universität gibt es unter den Professoren nur einen
einzigen Katholiken. Der Rest sind allesamt Protestanten. Wie kann diese Ungleichheit behoben
werden? Es gibt in Frankfurt sehr viele Menschen moslemischen Glaubens, an der Universität
aber nur eine Handvoll Professoren dieser Glaubensrichtung.
Wir sehen, dass solche Überlegungen die Praxis der Stellenvergabe ad absurdum führen
würden. Müsste man die Ansprüche aller “unterrepräsentierten” Gruppen berücksichtigen, dann
würde sich der ganze akademische Bereich - so die Philosophin Lisa Newton - in ein “Gerangel
und Geschiebe” zwischen diesen Gruppen auflösen.6
Eigentlich weiß jeder seriöse Wissenschaftler, dass es völlig gleichgültig ist, von wem eine
wissenschaftliche Leistung vollbracht wird, ob von einem Mann oder einer Frau, einem
Deutschen oder Nicht-Deutschen, einem Katholiken oder einem Protestanten, einem Schwarzen
oder einem Weißen usw. Solche Differenzierungen sind für jemanden, der Wissenschaft und
wissenschaftliche Arbeit ernst nimmt, von gar keiner Bedeutung. Es zählt alleine die
wissenschaftliche Leistung als solche. Das ist zwar eine Selbstverständlichkeit,
wurde jedoch durch die permanente feministische Indoktrination an den Universitäten völlig
aus den Augen verloren.
e) Eine Gruppe von “Argumenten” bilden die Zahlenspiele.
Wissenschaftler werden andauernd mit Zahlen, Zahlenvergleichen und Statistiken konfrontiert,
die ihnen die Notwendigkeit der Frauenförderung und der Frauenbevorzugung vor Augen führen sollen.
Besonders bekannt und wirksam ist folgendes Zahlenspiel: Über 50% der Studenten sind
Frauen, unter den Professoren gibt es aber nur 15% Frauen. Dahinter verbirgt
sich die Vorstellung: Wenn 50% der Studenten Frauen sind, dann sollen 50% der Professuren von
Frauen besetzt sein. Die Anzahl von Professorinnen soll proportional zur Anzahl von
Studentinnen sein.
Man muss nicht Logik oder Argumentationstheorie studiert haben, um zu erkennen, dass es sich hier
um einen Fehlschluss handelt. Aus der Tatsache, dass 50% der Studenten Frauen sind,
wird auf eine Forderung, 50% der Professoren sollten ebenfalls Frauen sein, geschlossen. Man
kann mit Berechtigung fragen: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Es besteht keine direkte
Verbindung zwischen der Anzahl der weiblichen Studenten und der Anzahl von weiblichen Professoren.
Ferner wird bei diesem Zahlenspiel die Qualifikation als der ausschlaggebende Maßstab der
Stellenvergabe wiedermal gar nicht berücksichtigt, denn: Auch wenn eine überwältigende
Mehrheit der Studierenden Frauen wären, könnten die meisten Professuren von Männern besetzt
sein, nämlich dann, wenn sie besser qualifiziert als ihre weiblichen Mitbewerber wären.
f) “Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt.”
Diese Satzung hat ihren festen Platz in Gleichstellungsgesetzen der Länder und in
Gleichstellungsregelungen vieler Hochschulen. Die Formulierung “bei gleicher Qualifikation”
bzw. “bei gleichwertiger Qualifikation” gehört zum Standardrepertoire der Gleichstellungsrhetorik
und hat sich auch in der Öffentlichkeit fest etabliert. Sie wird gar nicht mehr hinterfragt.
Dabei übersieht man, dass die Gleichheit von Qualifikation in der Wissenschaft eine
Chimäre ist, also etwas, was es dort gar nicht geben kann. Gleichheit von Qualifikation
kann es nur bei einfachen Tätigkeiten geben, z.B. dabei, fünf Bücher innerhalb von fünf Minuten
ordnungsgemäß in ein Päckchen einzupacken. Wissenschaftliche Arbeit ist zu differenziert
und zu komplex, um in ihrem Fall von gleicher Qualifikation zu sprechen. Es gibt in ihr
immer Qualifikationsunterschiede.
Gleiche Qualifikation würde dann vorliegen, wenn zwei oder mehrere Wissenschaftler wortwörtlich
identische Bücher, Aufsätze und Rezensionen geschrieben und wortwörtlich identische Vorträge
gehalten hätten. Ein solcher Fall ist mir aus der Wissenschaftsgeschichte nicht bekannt und
ich kann mir nicht vorstellen, dass er jemals eintreten wird.
Die Chimäre “Gleichheit von Qualifikation” scheint mir eins der wichtigsten Instrumente
zur Bevorzugung von Frauen zu sein. In vielen Fällen können nämlich aufgrund bestehender
Qualifikationskriterien Qualifikationsunterschiede nur sehr schwer festgestellt werden.
Oft ist man gar nicht gewillt, nach weiteren, genaueren Qualifikationsunterschieden zu suchen.
Da wo die Differenzen schwer zu ermitteln sind, kann immer gesagt werden, dass “gleiche
Qualifikation” vorliegt. In solchen Fällen, die sehr häufig in der Praxis der
Stellenvergabe vorkommen, kann einfach und schnell zugunsten von Frauen entschieden werden.
Anstatt also weitere, genauere Qualifikationskriterien auszuarbeiten, die eine gerechtere
Stellenvergabe ermöglichen würden, wird ein Geschlecht bevorzugt.
5. Für eine Politik der Qualifikation
Ideologien sollten sich nicht in das akademische Leben einmischen. Ideologisch belastete
Faktoren sollten bei der Vergabe von Stellen gar keine Bedeutung haben. Zu diesen Faktoren gehören:
Geschlecht, Nation, Rasse, Klasse bzw. Schicht, Zugehörigkeit zu einer politischen Partei oder
Religionsgemeinschaft und sexuelle Orientierung.
Geschichtliche Erfahrung zeigen Folgendes: Werden diese Faktoren zum Richtmaß für die
universitäre Stellenvergabe, werden also bestimmte Gruppen bevorzugt, führt dies nicht
nur zu Ungerechtigkeiten, sondern hat darüber hinaus verheerende Folgen für die
wissenschaftliche Forschung selbst.
Die Wissenschaft steht vor der entscheidenden Frage: Soll eine bestimmte gesellschaftliche
Gruppe einseitig gefördert und bevorzugt werden oder soll die Qualifikation zum alleinigen
Faktor bei der Stellenvergabe gewählt werden?
Mit Qualifikation ist ein von besonderer Gruppenzugehörigkeit unabhängiger, auf objektive
Anforderungen gerichteter Faktor genannt. Qualifikationen sind gegenüber den konkreten Subjekten
und Situationen verselbständigte Fähigkeiten bzw. Bündel von Fähigkeiten. Orientiert man
sich bei der Stellenvergabe ausschließlich an Qualifikationen, verlieren ideologisch-politische
Faktoren, persönliche Vorlieben, Seilschaften und Kontakte an Bedeutung. Mit anderen Worten: Die
Orientierung an Qualifikationen ermöglicht eine weitgehend ideologiefreie und nicht politisierte,
allein auf wissenschaftliche Leistung bezogene Betrachtung. Sie ermöglicht somit eine neutrale
Beurteilung der Fachkompetenz von Bewerbern. Damit würde sie ein gerechteres System der
universitären Stellenvergabe gewährleisten.
Qualifikation sollte daher zur zentralen Kategorie der bildungstheoretischen und -politischen
Debatte avancieren. Zusätzliche Mittel sollten für die Qualifikationsforschung, die noch in
ihren Anfängen steht, ausgegeben werden. Würde man der Qualifikationsforschung nur einen
Bruchteil der Gelder gewähren, die für das Programm des Gender-Mainstreaming vergeben werden
(jährlich mehr als eine Milliarde Euro), wäre wir einem gerechteren System viel näher.
Besonderes Gewicht sollte die Qualifikationsforschung auf diejenigen Qualifikationskriterien
legen, die der Vergabe von Professuren zugrunde liegen. Professuren sind die wichtigsten und
begehrtesten Stellen im universitären Bereich - das Ziel der akademischen Laufbahn. Die auf die
Bevorzugung von Frauen ausgerichteten Anstrengungen der Frauenbeauftragten konzentrieren sich vor
allen Dingen auf diese Stellen.
Die Berufungskommission hat die Aufgabe festzustellen, wer am besten für die ausgeschriebene
Stelle qualifiziert ist. Sie bewertet und vergleicht die Forschungsleistungen der Bewerber.
Dabei werden in der Regel folgende Qualifikationskriterien in Betracht gezogen: Habilitation,
Zahl der Publikationen, Qualität der Publikationen (Impact-Faktor), Publikationsform,
Publikationsorgan, Anzahl und Qualität der Vorträge, Forschungsaufenthalte, Lehre, Preise und
Gutachten.
Normalerweise sollten sie ausreichen, um Qualifikationsunterschiede festzustellen. Offenbar ist
es aber nicht der Fall, wenn von “gleicher Qualifikation” gesprochen wird. Die Aufgabe der
Qualifikationsforschung ist es, bezüglich der oben genannten Qualifikationskriterien weitere
Differenzierungen und Maßstäbe herauszufinden. Darüber hinaus sollten Wissenschaftler zusätzliche
Kriterien ausarbeiten und in die Berufungsverfahren implementieren.
Das wichtigste Qualifikationskriterium ist die Qualität von Publikationen. In vielen
Fällen sind hier Qualifikationsunterschiede, also Unterschiede in der Qualität von Publikationen,
nur schwer zu ermitteln. Ein wichtiges Instrument ist dabei der Impact Faktor, mit
dessen Hilfe gemessen wird, wie oft ein Zeitschriftenaufsatz innerhalb einer bestimmten Zeitspanne
zitiert wird.7 Der Impact Factor in den Naturwissenschaften wird aus der
Datenbank Science Citation Index, der für die Geistes- und Sozialwissenschaften aus der
Datenbank Social Science Citation Index berechnet. Das Verfahren des Impact Factors
ist nicht unumstritten. Allerdings ist es sinnvoller, an der Verbesserung solcher Verfahren zu
arbeiten, als eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe zu bevorzugen.
Weiteren Aufschluss über Qualifikationsunterschiede können externe Gutachten geben. In
der Regel werden bei Berufungsverfahren zwei externe Gurtachten angefordert. Dies reicht in
vielen Fällen nicht aus, um Qualifikationsunterschiede genau festzumachen. Erforderlich sind
weitere externe Gutachten. Über ihre Anzahl soll die Fakultät entscheiden.
Bewerber, die bei einem Berufungsverfahren in die engere Auswahl kommen, sind dazu verpflichtet,
einen Vortrag zu halten. Ich schlage vor, für diesen Bewerberkreis, der meist aus fünf bis sechs
Personen besteht, noch zusätzliche Qualifikationskriterien einzuführen. Sie könnten über mehrere
Tage fachliche Gespräche mit Fakultätsmitgliedern führen - eine Praxis, die in den USA weit
verbreitet ist. Außerdem wäre es sinnvoll, für sie mündliche und/oder schriftliche
Prüfungen einzuführen. Bei den schriftlichen könnten auch anonymisierte
Verfahren zum Einsatz kommen.
Es ist die Aufgabe der Wissenschaftler, bestehende Qualifikationskriterien zu verbessern und
zusätzliche zu erarbeiten. Es ist ihre Pflicht, der Gleichstellungspolitik Einhalt zu gebieten
und Qualifikationsorientierung zu einem Siegeszug zu verhelfen. Sie sollten eine Wende in
der Wissenschaftspolitik einleiten, solange es noch nicht zu spät ist.
Aus der Qualifikationsorientierung ergeben sich folgende Forderungen an alle Verantwortlichen
in Wissenschaft und Politik:
- Die Qualifikation soll der einzige Faktor bei der Stellenvergabe sein. Ideologisch-politische Faktoren, wie Geschlecht, Nationalität, Hautfarbe usw., sollen bei Einstellungsverfahren gar keine Rolle spielen.
- Bestehende Qualifikationskriterien sollten verfeinert und zusätzliche eingeführt werden.
- Die Zusammensetzung der Berufungskommission sollte alleine der Fakultät bzw. dem Fachbereich obliegen. Fachfremde sollten in Berufungskommissionen nicht aufgenommen werden.
- Ausschluss von Frauen- bzw. Gleichstellungsbeauftragten aus Berufungskommisssionen.
- Verlängerung der Dauer von Berufungsverfahren. Um Qualifikationsunterschiede festzustellen, sind zusätzliche Überprüfungen der Qualifikation notwendig. Dies erfordert mehr Zeit als bei bestehenden Berufungsverfahren. Die Berufung auf eine wissenschaftliche Stelle ist eine wichtige Entscheidung, für die man sich Zeit lassen sollte.
- Transparenz von Berufungsverfahren. Um Vetternwirtschaft (Nepotismus) zu vermeiden, sollten Berufungsverfahren so transparent wie möglich durchgeführt werden.
6. Die Angst und das Schweigen der Wissenschaftler
Abschließend bleibt noch die Frage zu klären, warum Wissenschaftler nichts gegen die
Gleichstellungspolitik an den Universitäten unternehmen. Haben sie die Prinzipien der Wissenschaft
wie Unparteilichkeit, Unvoreingenommenheit und weltanschauliche Neutralität vergessen? Sind sie
nicht in der Lage, die Gehirnwäsche der Gleichstellungspolitik zu durchschauen? Oder haben sie
bloß keinen Mut, gegen sie ins Feld zu ziehen?
Jegliche Kritik an der Gleichstellungspolitik wird im Keim erstickt. Wissenschaftler lassen
sich von Frauenpolitikerinnen und Frauenbeauftragten mundtot machen. Eine offene und kritische
Auseinandersetzung mit der Gleichstellungspolitik findet an den Universitäten nicht statt. Das
Schweigen der Wissenschaftler verwundert, da man in der Öffentlichkeit davon ausgeht, dass sie,
insbesondere Professoren, nicht nur die Klügsten im Lande sind, sondern auch moralische
Instanzen darstellen. Auch die sog. “kritischen Wissenschaftler”, die ja sonst jeglichem Hauch
von Ideologie auf der Spur sind, schweigen zu einer der gefährlichsten Ideologie unserer Zeit und
ihren politischen Auswüchsen.
Die meisten männlichen Wissenschaftler haben nicht bloß Angst, sich kritisch in der Öffentlichkeit
über die Gleichstellungspolitik zu äußern. Sie hoffen darüber hinaus, dass sie selbst von den
Gleichstellungsmaßnahmen nicht getroffen werden. Sie verdrängen daher ihre Überzeugungen und
verharren in Passivität.
Nicht wenige Wissenschaftler engagieren sich sogar für die Gleichstellungspolitik. In ihrem Eifer
übertreffen sie noch die professionellen Wächterinnen des Gleichstellungssystems. Für ihr
Engagement gibt es erstens eine pragmatische Erklärung: Sie erhoffen sich davon bessere
Handlungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen.
Zweitens ist ihr Engagement sozialpsychologisch zu deuten: Der Historiker Martin van
Creveld behauptet, dass sich Männer für Frauen auch dann engagieren, wenn es ihnen persönlich
oder als Geschlecht schadet, weil sie damit eine Schuld zurückzahlen. Schließlich wurden
sie von Frauen zur Welt gebracht und von ihnen in der Regel erzogen - die Stärke der Frauen ist
das schlechte Gewissen der Männer.8
Diese Deutung ist nicht so abwegig, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Mit Hilfe der
medialen Indoktrination werden solche Schuldgefühle verstärkt. Das Leid, das Männer Frauen
angeblich zugefügt haben, soll kompensiert werden. Viele Männer fühlen sich dazu verpflichtet,
Frauen entgegen zu kommen, ihnen zu helfen, sie besonders zu fördern.
Doch jeder psychologische Laie weiß, dass es nicht richtig ist, aufgrund von Schuldgefühlen zu
handeln. Und es ist genauso verfehlt, sich in der Politik von Schuldgefühlen leiten zu lassen.
Schuldgefühle lähmen das Handeln und verhindern eine offene und konstruktive Auseinandersetzung
mit dem betreffenden Thema.
Die wenigen Mutigen, die sich an den Universitäten gegen die Gleichstellungspolitik auflehnen,
werden als Frauenfeinde gebrandmarkt, eingeschüchtert und verfemt, was verheerende Konsequenzen
für ihre wissenschaftliche Laufbahn hat.
Rechtlich scheinen Wissenschaftler gegenüber den Maßnahmen der Gleichstellungspolitik
wehrlos zu sein. Das einzige Mittel gegen ihre offene Diskriminierung sind Klagen gegen
Entscheidungen von Einstellungs- bzw. Berufungskommissionen. Dieses Rechtsmittel nehmen nur
wenige in Anspruch, weil sie die Macht des Gleichstellungssystems fürchten und nicht als
Frauenfeinde bezeichnet werden möchten. Frauenförderung ist Gesetz, weil die Inhaberinnen der
politischen Macht sie zum Gesetz gemacht haben. Gegen solche Klagen wird folgendermaßen
argumentiert: Aufgrund Art 3 GG, Abs. 2 sei der Staat zur Beseitigung tatsächlich bestehender
Benachteiligungen verpflichtet. Die Minderbeteiligung von Frauen in Führungspositionen sei eine
solche Benachteiligung, der mit solchen Förderprogrammen begegnet wird. Und das reicht
dann auch schon aus.
Es ist daher höchste Zeit, dass sich männliche Wissenschaftler organisieren, gegenseitig
unterstützen und gemeinsam politische Forderungen stellen. In Analogie zu Frauenräten könnten
Männerräte entstehen, in denen alle Benachteiligten (Studenten, wissenschaftliche
Mitarbeiter und Professoren) ihre Arbeit konsolidieren würden. Ihre vordringliche Aufgabe wäre,
auf Männer diskriminierende gesetzliche Maßnahmen und konkrete Fälle von Diskriminierung zu
verweisen. Des Weiteren könnten sie Druck auf universitäre Entscheidungsgremien (Präsidium, Senat,
Fachbereichsrat), wissenschaftspolitische Institutionen (DFG, Wissenschaftsrat) und
bildungspolitische Institutionen des Bundes und der Länder (Ministerien) ausüben.
Anmerkungen:
1 Vgl. das Berliner Landesgleichstellungsgesetz (LGG), §8 Einstellungen und
Beförderungen.
2 “Das geschwächte Geschlecht”, Fokus 04.11.2008.
3 Berliner Landesgleichstellungsgesetz (LGG), 8§ Einstellungen und Beförderungen
sowie
http://www.fhw-berlin.de/index.php?id=839
4 UniReport, 12. November 2008, Jahrgang 41.
5 Ch. Färber/U. Spangenberg, Wie werden Professuren besetzt?
Frankfurt am Main 2008, S. 174.
6 L. Newton, “Warum umgekehrte Diskriminierung ungerechtfertigt ist”,
in: B. Rössler (Hrsg.), Quotierung und Gerechtigkeit. Eine moralphilosophische
Kontroverse, Frankfurt am Main 1993, S. 101.
7
http://www.sciencegateway.org/impact/
8 M.van Creveld, Das bevorzugte Geschlecht, München 2003, S. 404f.
Aufsätze:
Rezensionen: